Ehrlich, steil, legendär

St. Anton hat keinen Zweifel daran gelassen, was es will: Hier wurde 1901 der erste Skiclub der Alpen gegründet, hier startete das erste Skigebiet Österreichs mit Liftbetrieb. Der Ort liegt auf 1.304 Metern und ist Teil des Ski Arlberg, des größten zusammenhängenden Skigebiets Österreichs mit rund 305 Pistenkilometern und 88 Liftanlagen. Allein um St. Anton, St. Christoph und Stuben gruppieren sich etwa 86 Pistenkilometer – genug für eine Woche, ohne dass es langweilig wird. Was man über St. Anton wissen muss: Es ist kein Gebiet für absolute Anfänger, aber ein großartiges für alle, die schon stehen.

Die Berge: Galzig, Kapall und der Rendl

Vom Ortszentrum bringt die Galzigbahn in wenigen Minuten auf 2.185 Meter. Von dort geht es weiter mit der Vallugabahn auf 2.811 Meter – wer dort oben abfährt, sollte wissen: Die Piste ins Tal ist gesperrt, nur mit Bergführer geht es hinunter. Der Rendl am gegenüberliegenden Hang ist der Sonnenberg mit ruhigeren, langen Abfahrten, ideal für den Nachmittag. Der Kapall liefert steile rote und schwarze Hänge direkt über dem Ort. Der Nachbarort St. Christoph auf 1.800 Metern ist verschneiter und ruhiger, Stuben am anderen Ende des Passes ebenso.

Für wen St. Anton passt – und für wen nicht

Fortgeschrittene und Könner kommen hier auf ihre Kosten: Das Schindlerkar unterhalb der Valluga ist eines der berühmtesten freien Skigebiete der Alpen, und wer früh aufsteht, hat die unpräparierten Hänge fast für sich. Anfänger finden am Nasserein und rund um den Gampen einige blaue Pisten, aber das Gelände ist überschaubar. Familien mit kleinen Kindern sind im benachbarten Lech oder in anderen Orten besser aufgehoben. Wer nur einmal im Jahr fährt und ruhige, breite Pisten sucht, sollte St. Anton nicht als erste Wahl nehmen – wer die Abfahrt liebt, kommt hierher zurück.

Hütten und das berühmte Après-Ski

Zwei Hütten haben Weltruf: der Mooserwirt und das Krazy Kanguruh, beide direkt an der Piste Richtung St. Christoph. Ab 15 Uhr wird hier getanzt, bis die letzte Gondel fährt – wer das nicht will, weicht auf ruhigere Hütten wie die Bergstation Rendl oder die kleine Ulmer Hütte aus. Hauptgerichte kosten zwischen 17 und 26 Euro, ein Getränk zwischen 5 und 8 Euro. Am Abend bietet der Ort eine überschaubare, aber lebendige Kneipenszene. Für eine ruhige Variante lohnt der Weg nach St. Christoph, wo nachts die Sterne heller sind als die Bars.

Was eine Woche in St. Anton kostet

Der Skipass Ski Arlberg kostet in der Hochsaison rund 72 Euro am Tag, sechs Tage liegen bei etwa 410 Euro. Unterkünfte: Ein Doppelzimmer mit Halbpension startet in der Nebensaison bei 130 Euro pro Nacht, in den Weihnachtsferien schnell beim Doppelten. Ferienwohnungen gibt es ab etwa 100 Euro. Leihski kosten 140 bis 160 Euro pro Woche, ein Gruppenkurs über fünf Tage um die 250 Euro. St. Anton ist teurer als viele Tiroler Täler, aber günstiger als Lech – ein fairer Mittelweg für die Region.

Anreise und die beste Zeit

Der Bahnhof St. Anton liegt direkt im Ort an der Arlbergbahn, Züge aus Innsbruck und Zürich halten hier – für Skifahrer eine der bequemsten Anreisen der Alpen. Mit dem Auto fährt man über die A12 und durch den Arlbergtunnel oder über die Passstraße, die im Winter geräumt, aber oft voll ist. Die Saison dauert von Anfang Dezember bis Ende April. Die beste Zeit für ruhige Hänge ist Mitte Januar, für Sonnengarantie der März. In den Osterferien wird es voll, aber die Pisten sind dann meist in Bestform.

Wer St. Anton mit ruhigeren Tagen verbinden will, wählt die Unterkunft in St. Christoph oder Stuben – beide Dörfer liegen direkt im Skigebiet, sind aber deutlich leiser als der Hauptort. Auch die Anreise am Samstag statt am Freitag lohnt: Die Lifte sind am Wochenendwechsel am vollsten, ab Sonntagnachmittag kehrt Ruhe ein. Und wer die berühmten Hänge einmal abseits der präparierten Pisten erleben will, bucht sich bei einem der örtlichen Bergführer ein – die Touren führen in die Mulden unterhalb der Valluga, und die Kosten von rund 200 Euro für einen Tag teilen sich Gruppen bis sechs Personen. St. Anton belohnt die, die es ernst meinen – mit Pisten, die man so schnell nicht vergisst.

Von der Redaktion

Das SkiZeit-Team recherchiert vor Ort und an öffentlichen Quellen, testet Ausrüstung und beschreibt Skigebiete so, wie sie wirklich sind – in eigenen Worten.