Zwei Länder, ein Gebiet

Die Silvretta Arena ist eines der wenigen Skigebiete, die eine Staatsgrenze überspannen. Auf der österreichischen Seite liegt Ischgl im Paznauntal, auf der Schweizer Seite Samnaun – und wer einen Skipass kauft, fährt mit demselben Ticket auf beiden Seiten. Das Gebiet bringt es auf rund 239 Pistenkilometer und 45 Liftanlagen zwischen 1.377 und 2.872 Metern Höhe. Wer am Morgen in Ischgl startet und mittags in Samnaun isst, hat keine Grenze bemerkt, nur die Aussicht gewechselt.

Skifahren: von Ischgl hinüber nach Samnaun

Die großen Zustiege in Ischgl sind die Pardatschgratbahn, die Velillbahn und die Fimbabahn – moderne Achtergondeln, die in wenigen Minuten in die Höhenlagen bringen. Von Pardatschgrat und Greitspitz führen lange, breite Abfahrten hinüber ins Schweizer Skigebiet. Der längste Run misst rund elf Kilometer und endet erst tief im Tal von Samnaun. Während die Hänge um Ischgl eher rot und anspruchsvoll sind, findet man auf der Samnauner Seite mehr blau markierte, ruhige Pisten – ideal, wenn die Gruppe unterschiedlich fährt.

Après-Ski und das Nachtleben

Ischgl hat den Ruf, das Après-Ski der Alpen erfunden zu haben – ganz falsch ist das nicht. Die Trofana Alm und der Kuhstall zählen zu den berühmtesten Adressen, und ab 15 Uhr wird auf den Terrassen getanzt, was die Stiefel hergeben. Wer es ruhiger mag, findet auf der Schweizer Seite kaum Partylärm. Ein Essen auf der Hütte kostet zwischen 16 und 24 Euro, ein großes Bier um die sechs Euro. Wer nach dem Skitag Ruhe will, sollte die Unterkunft in Samnaun wählen – das Tal schläft früher, und die Preise sind etwas freundlicher.

Samnaun: zollfrei, aber kein Schnäppchenparadies

Samnaun ist eine der wenigen zollfreien Zonen der Alpen, weil es nur über die Schweiz oder das Skigebiet erreichbar ist. In den Supermärkten und Geschäften des Tals gibt es Alkohol, Tabak, Parfum und Elektronik ohne Schweizer Mehrwertsteuer. Der Preisvorteil ist real, aber begrenzt: Wer ohnehin einkaufen will, spart ein paar Franken; wer extra plant, merkt schnell, dass sich die Auswahl auf wenige Straßen konzentriert. Den Grenzübertritt merkt man beim Skifahren nicht – erst beim Blick auf die Preisschilder.

Skipass, Preise und Nebenkosten

Eine Tageskarte für Erwachsene kostet in der Hauptsaison rund 70 Euro, das Sechs-Tage-Ticket liegt bei etwa 400 Euro. Kinder bis sechs Jahre fahren in Begleitung der Eltern kostenlos, bis 15 Jahre gibt es starke Ermäßigungen. Leihski mit Schuhen und Stöcken schlagen mit 120 bis 150 Euro pro Woche zu Buche. Wer mit dem Auto anreist, plant für die Tagesparkplätze an der Talstation besser früh ein: An guten Tagen sind die oberen Ebenen bis neun Uhr voll. Die Saison dauert von Ende November bis Ende April, in guten Jahren bis Anfang Mai.

Die beste Zeit für Ischgl

Die Hochsaison von Weihnachten bis Mitte Februar ist voll, teuer und laut – für Familien oder Genießer eher nicht die erste Wahl. Januar ist schneesicher und deutlich ruhiger, März bringt lange, sonnige Tage, aber die tiefen Lagen werden weicher. Wer beides will, fährt Mitte Januar bis Anfang Februar: Dann ist der Schnee gut, die Lifte laufen ohne Anstehen, und die Preise liegen unter dem Höchststand. Für einen ersten Eindruck reicht ein langes Wochenende, für die ganze Region sollte man sechs bis sieben Tage einplanen.

Zur Region gehört auch der Blick über den Grat: Auf der Schweizer Seite wird das Skifahren ruhiger, die Hänge sind weiter und die Hütten weniger besucht – wer mittags die Pisten wechselt, hat das Gefühl, in einem anderen Land zu sein, was ja auch stimmt. Die Fimbabahn und die neuen Anlagen am Greitspitz haben die Übergänge in den vergangenen Jahren deutlich bequemer gemacht, lange Schlepplifte gehören hier der Vergangenheit an. Für Familien lohnt vor allem die Kombination aus Übungshängen am Ortsrand und langen, einfachen Abfahrten auf der Samnauner Seite. Wer abends noch Energie hat, findet in Ischgl ein dichtes Angebot vom ruhigen Wirtshaus bis zur großen Partyhütte – und in Samnaun die Ruhe für den Ausklang.

Von der Redaktion

Das SkiZeit-Team recherchiert vor Ort und an öffentlichen Quellen, testet Ausrüstung und beschreibt Skigebiete so, wie sie wirklich sind – in eigenen Worten.