Skitourengehen ist in den vergangenen Jahren vom Nischenhobby zum Massenphänomen geworden – und genau deshalb lohnt ein nüchterner Blick auf den Einstieg. Wer mit dem richtigen Material, einem Kurs und realistischen Erwartungen startet, findet einen Sport, der ruhiger, körperlicher und oft schöner ist als jeder Liftbetrieb. Wer sich ohne Vorbereitung auf den Berg macht, gefährdet nicht nur sich selbst. So geht der Anfang richtig.
Warum Tourengehen – und was es wirklich bedeutet
Auf einer Skitour steigst du mit eigenen Beinen auf, was 800 bis 1.500 Höhenmeter ausmacht, und fährst anschließend durch Gelände ab, das sonst niemand befahren hat. Das Gefühl, morgens als Erster über einen unberührten Hang zu fahren, ist schwer zu übertreffen. Ehrlich ist aber auch: Eine Tour dauert selten unter drei Stunden, das Tempo bestimmt der Langsamste, und schlechtes Wetter bedeutet Abbruch. Wer das mag, ist richtig.
Die Grundausrüstung: kein Platz zum Sparen
Du brauchst Tourenski mit Fellen, Tourenschuhe mit Sohlenprofil und ein Bindungssystem, das zwischen Aufstieg und Abfahrt wechselt. Leihsets gibt es in gut ausgestatteten Geschäften ab etwa 40 Euro am Tag, ein gutes Komplettpaket kostet beim Kauf 900 bis 1.400 Euro. Dazu gehört zwingend die Lawinenausrüstung: LVS-Gerät, Sonde und Schaufel – und zwar im Rucksack, nicht im Kofferraum. Ein Helm ist ebenso Pflicht wie eine wasserdichte Jacke; im Frühjahr hilft zusätzlich ein Hüttenschlafsack, wenn die Hütten offen sind.
Lawinenkunde für den Start: der Kurs gehört dazu
Der wichtigste Schritt für Einsteiger ist kein Materialkauf, sondern ein Kurs. Lawinenkurse, die der Alpenverein und viele Skischulen anbieten, kosten etwa 150 bis 250 Euro für ein Wochenende und vermitteln drei Dinge: den Umgang mit dem Lawinenlagebericht, das Erkennen von Steilhängen und das Üben der Verschüttetensuche. Wer diese Grundlagen nicht beherrscht, sollte keine Tour außerhalb gesicherter Pisten gehen – auch nicht mit einer Gruppe, die es „schon immer so gemacht hat".
Technik: Spur halten, Spitzkehren, Tempo dosieren
Beim Aufstieg gilt: Die Spur gehört dem Ersten, und sie sollte im flachen Teil so angelegt sein, dass alle sie bequem gehen können. Felle haften gut, wenn die Ski breit und ruhig geführt werden; beim Kehren im steilen Gelände hilft die Spitzkehre, bei der du den Ski nach und nach um 180 Grad drehst. Üben kannst du das auf einem flachen Hang oder sogar im Skigebiet neben der Piste. Die Abfahrt ist im Tiefschnee anfangs anstrengend: Ski parallel, Gewicht zentriert, kleine Schwünge – und vor allem die Angst vor dem „Einsinken" loslassen, denn der Schnee trägt mehr, als er aussieht.
Die ersten Touren: klein anfangen
Gute Einsteigertouren in Tirol führen auf ruhige Gipfel zwischen 2.200 und 2.600 Metern mit moderaten Hängen – etwa die Rosskogel-Runde oberhalb von Kühtai oder leichte Aufstiege im Stubaital, die im Tal beginnen und an Waldhängen entlangführen. Wichtig sind drei Bedingungen: wenig Steilgelände über 30 Grad, eine klare Orientierung und eine Abfahrt, die auch bei schlechter Sicht sicher zu finden ist. Tourenführer für Einsteiger, die der Alpenverein herausgibt, beschreiben solche Ziele mit exakten Zeiten und Hangneigungen.
Sicherheit: Ausrüstung, Notruf und der ehrliche Verzicht
Vor jeder Tour steht der Blick in den Lawinenlagebericht, am besten morgens und zusammen mit der Gruppe. Wenn die Gefahrenstufe 3 gilt oder die Sicht kippt, ist ein kleinerer Plan die bessere Wahl – umkehren ist nie ein Fehler. Zur Notfallausrüstung gehört neben LVS-Gerät, Sonde und Schaufel ein Erste-Hilfe-Set, und die Gruppe sollte wissen, dass der Notruf in den Alpen über die 112 beziehungsweise den europaweiten Notruf funktioniert. Am wichtigsten ist die Übung: Wer sein LVS-Gerät nur im Laden gekauft, aber nie vergraben und gesucht hat, wird im Ernstfall wertvolle Minuten verlieren.
Der schönste Nebeneffekt des Tourengehens ist, dass es den Blick auf die Berge verändert: Man fährt nicht mehr irgendeinen Hang hinunter, sondern weiß, was man überwunden hat. Und genau darum geht es doch.