Vorarlberg: der kleine Bruder des Arlbergs
Vorarlberg ist das westlichste Bundesland Österreichs und hängt im Schatten seines berühmtesten Skigebiets – dem Arlberg. Dabei hat es eigene, erstaunlich gute Regionen: das Montafon mit Schruns und Gaschurn, das Brandnertal, die Schneedörfer Damüls und Mellau sowie das Kleinwalsertal, das nur von Deutschland aus erreichbar ist. Gemeinsam sind sie günstiger, ruhiger und oft familienfreundlicher als ihre berühmten Nachbarn. Wer im Westen Österreichs einen Skiurlaub sucht, ohne auf Qualität zu verzichten, ist hier richtig.
Silvretta Montafon: 140 Kilometer zwischen Schruns und Gaschurn
Das größte Vorarlberger Gebiet ist die Silvretta Montafon: rund 140 Pistenkilometer und 35 Liftanlagen, die sich über die Orte Schruns, Tschagguns und Gaschurn verteilen. Die höchsten Pisten liegen bei 2.430 Metern, die längsten Abfahrten führen über 1.000 Höhenmeter ins Tal. Die Talorte sind ursprünglich geblieben – keine Bettenburgen, sondern Dörfer mit Gasthöfen und Skischulen. Eine Tageskarte kostet rund 60 Euro, ein Sechs-Tage-Ticket etwa 340 Euro. Wer weite Hänge und ehrliche Preise sucht, findet im Montafon beides.
Brandnertal: klein, übersichtlich, familientauglich
Das Brandnertal bei Bludenz ist mit rund 55 Pistenkilometern ein überschaubares Gebiet – und genau das macht es so angenehm. Von der Bergstation aus führt eine Handvoll breiter roter und blauer Hänge ins Tal, dazu kommen ruhige Seitenhänge, die sich nachmittags leeren. Die Skischule in Brand ist auf Familien eingestellt, das Kinderland liegt direkt an der Talstation. Die Preise sind niedrig: Tageskarte rund 50 Euro, Wochenkarte deutlich günstiger als in den großen Alpengebieten. Für eine ruhige Woche mit Kindern ist das Brandnertal schwer zu schlagen.
Damüls-Mellau: das schneesicherste Dorf Österreichs
Damüls gilt als schneereichstes Dorf Österreichs – mehr als elf Meter Neuschnee fallen hier in guten Wintern. Zusammen mit Mellau und Faschina bildet es ein Gebiet mit rund 110 Pistenkilometern zwischen 700 und 2.000 Metern Höhe. Die Lage im Bregenzerwald macht die Region besonders: weitläufige, weiche Hänge, viel Wald und eine Landschaft, die an die Schweiz erinnert. Die Tageskarte kostet rund 55 Euro. Wer auf Schneesicherheit im Westen setzt, ist in Damüls richtig – und wer gern abseits großer Namen fährt, findet hier genau das.
Kleinwalsertal: deutsch, ohne Grenze, mitten in Österreich
Das Kleinwalsertal um Riezlern, Hirschegg und Mittelberg ist eine österreichische Exklave, die nur über Oberstdorf in Bayern erreichbar ist – der Grenzübertritt fühlt sich an wie ein Nachbarort. Das Skigebiet um die Kanzelwand auf 2.058 Metern bietet rund 70 Pistenkilometer mit einem guten Mix aus blauen und roten Hängen. Für Familien aus Süddeutschland ist es die kürzeste Alpenanreise überhaupt, oft unter zwei Stunden. Die Preise liegen im bayerisch-österreichischen Mittel, die Hütten sind bodenständig. Ein Tipp: unter der Woche fahren, dann ist die Kanzelwand fast leer.
Preise und Praxis für die Region
Überall in Vorarlberg gilt: Die Skipässe kosten 50 bis 65 Euro am Tag und damit deutlich weniger als am Arlberg, während die Qualität der Beschneiung in den letzten Jahren stark gestiegen ist. Unterkünfte findet man ab 90 Euro für ein Doppelzimmer, der Skibus ist in fast allen Regionen kostenlos. Die Saison dauert von Anfang Dezember bis Ende April; Damüls und das Montafon sind dabei am schneesichersten. Für Familien, Genießer und alle, die dem Massentourismus entkommen wollen, ist Vorarlberg die beste Adresse westlich des Arlbergs.
Praktisch ist auch die Anreise: Über die A14 gelangt man von Deutschland aus schnell ins Montafon und ins Brandnertal, das Kleinwalsertal erreicht man bequem über Oberstdorf. Die Region eignet sich damit auch für ein verlängertes Wochenende, ohne dass man einen halben Urlaubstag auf der Autobahn verbringt. Wer Langlauf oder Winterwandern dazunehmen will, findet in allen Tälern gespurte Loipen und geräumte Wege – oft direkt vor der Haustür. Vorarlberg ist kein Geheimtipp mehr, aber es hat sich seinen Charakter bewahrt: ehrlich, bodenständig und ohne jeden Hang zur Übertreibung. Genau das macht die Region westlich des Arlbergs so sympathisch.