Das Ötztal hat zwei Gesichter: Sölden, das große Skigebiet mit den zwei Gletschern, und Obergurgl-Hochgurgl, die ruhige Hochgebirgswelt mit Panoramapisten bis auf 3.080 Meter. Gemeinsam ergeben sie mehr als 250 Pistenkilometer. Wir haben beide Seiten abgefahren, auf Schwierigkeit, Aussicht und Zustand geachtet – und zehn Läufe gefunden, die man nicht auslassen sollte.
So haben wir getestet
Gefahren sind wir an vier Tagen Ende Januar, jeweils ab der ersten Gondel am Morgen. Bewertet haben wir fünf Dinge: Steilheit und Charakter der Piste, Länge, Aussicht, Beliebtheit und den Zustand am späten Vormittag. Wichtig zu wissen: In Sölden sind die Talabfahrten stark frequentiert, während die Höhenbereiche oft ruhig bleiben. In Obergurgl-Hochgurgl verteilt sich das Publikum besser.
Die zehn Läufe im Überblick
1. Rettenbach-Abfahrt (Sölden)
Der Weltcup-Hang am Rettenbachferner ist der berühmteste Lauf des Ortes und bis auf 3.340 Meter hinauf erschlossen. Frühmorgens, wenn die Pistenmaschinen gerade fertig sind, ist er schwarz, anspruchsvoll und herrlich leer. Wer ihn im Frühjahr bei Rennstimmung fährt, erlebt die Strecke, die jedes Jahr die Speed-Fahrer fordert.
2. Tiefenbach-Abfahrt (Sölden)
Die Abfahrt vom Tiefenbachgletscher ist länger und etwas freundlicher als die Rettenbach-Seite, mit weiten Kurven und einem wunderbaren Blick auf den Gletscherbruch. Vormittags ist die Piste oft in bestem Zustand; nachmittags kann der Wind auf dem freien Gletscher ungemütlich werden.
3. Schwarze Schneid (Sölden, Giggijoch)
Die Schwarze Schneid ist eine Legende unter den Ötztaler Abfahrten: ein steiler, enger Lauf, der sich durch eine Rinne zieht und keine Schwächen verzeiht. Wer hier sicher stehen will, sollte den Abschnitt vorher von oben angeschaut haben. Der Lohn ist die Ruhe – die meisten Skifahrer bleiben auf der breiten Parallelpiste.
4. Gaislachkogl-Abfahrt (Sölden)
Vom Gaislachkogl auf 3.048 Meter führt eine abwechslungsreiche Abfahrt mit roten und schwarzen Passagen hinunter, vorbei am bekannten Ice Q. Der Blick auf die Ötztaler Alpen ist mit der beste weit und breit – „an klaren Tagen reicht er bis zu den Hohen Tauern", sagt ein Bergführer an der Bergstation. Mittags wird es auf den oberen Kehren voll – früh starten lohnt sich.
5. Wurmkogl-Abfahrt (Hochgurgl)
Am Wurmkogl, dem Hausberg von Hochgurgl, steht die Aussichtsplattform Top Mountain Star auf 3.080 Metern. Die Abfahrt darunter ist eine lange, breite rote Piste mit sehr guter Schneelage – ideal, um Kilometer zu machen, ohne Stress zu haben. Dazu gehört der seltene Luxus, morgens als einer der Ersten in die unberührte Piste zu fahren.
6. Hohe Mut (Obergurgl)
Die Hohe Mut in Obergurgl ist der Klassiker für die ganze Familie: eine schöne rote Abfahrt von 2.670 Metern ins Tal, gepflegt, nicht überlaufen und mit Blick auf die Gletscherwelt dahinter. Wer mittags oben einkehrt, bekommt auf den Sonnenterrassen einen der besten Aussichtsplätze der Region.
7. Langkogel-Abfahrt (Obergurgl)
Über dem Langkogel liegt der ruhigere Teil von Obergurgl. Die Pisten sind breit und gut eingefahren, die Hänge mäßig steil – perfektes Trainingsterrain, ohne dass man ständig abbremsen muss. Familien mit gemischten Könnensstufen fahren hier am entspanntesten.
8. Rotkogl-Abfahrt (Sölden)
Die Rotkogl-Seite oberhalb von Giggijoch bietet eine lange, fließende Abfahrt durch freies Gelände, das an guten Tagen bis ins Tal reicht. Die Strecke ist bei Schneefall schnell gesperrt, weil sie als eine der ersten zugeweht wird – bei stabilem Wetter aber ein echtes Highlight.
9. Talabfahrt nach Obergurgl
Die längste zusammenhängende Abfahrt der Region führt von den Hochlagen über die Hohe Mut bis in den Ort hinunter. Über 800 Höhenmeter, rote und blaue Passagen, kaum Warteschlangen – und am Ende wartet die Skihütte direkt an der Talstation. Ein würdiger Tagesabschluss.
10. Die Big-3-Rally (Sölden)
Keine einzelne Piste, sondern das berühmteste Routenkonzept des Ortes: Die Verbindung über Gaislachkogl, Tiefenbach- und Rettenbachgletscher bringt dich an einem Tag auf drei Dreitausender. Wer die Runde im Uhrzeigersinn fährt und vor 10 Uhr an der ersten Gondel ist, schafft sie ohne Hektik – und hat am Nachmittag noch Zeit für eine zweite Runde.
Praktische Tipps fürs Ötztal
Die Liftanlagen öffnen meist um 8.30 Uhr und schließen gegen 16 Uhr; auf den Gletschern gilt das auch im Frühling. Mittagessen auf der Hütte solltest du vor 12 Uhr bestellen, sonst wartest du. Und ein Hinweis, den viele unterschätzen: Die Tageskarte für Sölden liegt in der Hauptsaison bei etwa 70 Euro, der Ötztal Super Skipass für beide Gebiete entsprechend höher. Bei instabilem Wetter lohnt der Blick auf die Webcams der Bergbahnen, bevor man sich anstellt – oben ist nicht immer alles offen.